Man sagt, dass Internet sei schnelllebig. Dass es auch anders sein kann, zeigt das Projekt „Kulturkurier”, das wir seit nunmehr über 10 Jahren erfolgreich betreiben (Jüngeren unter uns wird es nicht mehr so bewusst sein, dass vor ca. 15 Jahren das ganze große Internet eigentlich nicht viel mehr als ein Prototyp und Spielwiese für echte Nerds bzw. early adopters war).
In Kooperation mit der Berliner datakulturlink.ag, Kulturpartner und später Berliner Brandung schufen wir den Kulturkurier, der heute der größte Veranstaltungs-Informationsdienst für Kunst und Kultur in Deutschland ist. Im Laufe dieses Jahrzehnts blicken wir auf große Namen zurück, die diese Idee unterstützten und teilweise heute noch begleiten: FAZ, ZEIT, FocusOnline, Brigitte, arte, Dumont, Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung und DeutschlandRadio gehören zu diesem illustren Kreis, genauso wie einige Kultur- und Stadtportale in Leipzig, Dresden, Kiel, Halle, Berlin oder Hamburg. Einen Komplettüberblick über unsere aktuellen Medienpartner finden Sie hier im kulturkurier inside-Blog.
Die ursprüngliche Idee, die 2000 geboren wurde, bestand darin, ein Newsletter-CMS zu entwickeln, das Kulturveranstaltern, Bühnen, Konzerthäusern und Galerien zur Verfügung gestellt werden sollte, damit diese ihre Abonnenten über Termine, Aufführungen und Programme unentgeltlich informieren können. Diese Daten, die durch die Nutzer eingegeben wurden, wurden in Folge dann den großen Online-Kulturportalen (z.B. FAZ, ZEIT, Süddeutsche) zur Verfügung gestellt, um ihre Programmspalten zu füllen. Diese Vernetzungsidee (neudeutsch: Win-Win-Situation) wurde zu einem der allerersten Projekte eines viralen Kulturmarketings – und das, lange bevor das Wort „viral” benutzt wurde.
Der Dienst startete dann 2002 unter der Domain newsletter-berlin.de und war erst einmal nur als Newsletter für Berliner Veranstalter gedacht. Der Weg bis zum Kickoff war recht steinig. Wir veranstalteten ab 2001 einige Roadshows in Berlin, um die großen Bühnen der Stadt von dieser Idee zu überzeugen. Anfänglich nur mit mäßigem Erfolg und großer Skepsis (glaubt man nicht, war aber wirklich so: Man diskutierte während dieser Roadshows heftig, ob sich die digitale Massenkommunikation durchsetzt kann). Es dauerte über ein Jahr, bis sich dann die ersten Häuser auf dieses Experiment einließen. Von dieser Anfangszeit ist heute nichts mehr zu sehen – außer dieser kleinen Ansicht bei wayback archive org. Leider wurden durch mehrfache Serverupgrades und Umzüge die alten Seiten aussortiert, obwohl wir sie schon noch sehr gern zeigen würden – auch als Beweis, dass reduziertes Webdesign bereits damals erfolgreich war, weil es dem User die Nutzung einfach machte (Usability).
Apropos erfolgreich: Nachdem sich bald abzeichnete, dass der Dienst von den Berliner Veranstaltern gut angenommen wurde, wurden erste Überlegungen angestellt, ob man den Dienst „nicht etwas aufbohren” könnte. Also z.B. deutschlandweit? Und vielleicht etwas mehr als “nur” Newsletter? XML-Datenübergabe (den Begriff „web-Service” gab es damals auch noch nicht)? Newsticker? Kalender? Für drei kleine Büros (in Neudrossenfeld, in Berlin und in Bayreuth – also nicht gerade New York, Rio, Tokio) mit überschaubarer Manpower war das ein gewagtes Projekt, wie immer, wenn man Pionier auf einem Gebiet ist – mit viel Hoffnung ausgestattet aber eben auch mit viel Risiko behaftet. Das wir das dann doch wagten, klingt im Nachhinein recht kühn. Sogesehen eine typische „Garagenstory”.
Newsletter-Software
Während wir in den Anfangszeit für den Mailversand der Newsletter auf die fertige Software Ezmlm („eazy mailing list manager“) gesetzt hatten, wurde recht schnell klar, dass eine massgeschneiderte Eigenentwicklung notwendig ist. Ezmlm war zwar stabil und erfüllte die rechtlichen Vorgaben (etwa Double-Optin) aber es war einfach zu unflexibel in der Verwaltung und als der “neue Feature-Wunsch” HTML-Mails an uns herangetragen wurde, ließ sich das damals nur schwer umsetzen. Daher entwickelten wir 2003 ein eigenes Modul zum Newsletterversand, dessen Kern wird im Juli 2013 sein zehnjähriges Jubiläum feiern, für Software durchaus bemerkenswert.
Im Laufe der Zeit wurde der Mailversand natürlich erweitert und optimiert. Die immer schärferen Spameinstellungen, gerade bei größeren Providern, erforderten immer wieder eine Neueinstellung im Mailversand – während es beispielsweise zunächst kein Problem war, an eine nicht mehr existierende Mailadresse einen weiteren Zustellversuch zu unternehmen, wurde das von einem der größten deutschen Feemailer zwischenzeitlich mit Blockieren des kompletten Mailservers bestraft, wenn das öfter als $NichtNachvollziehbarerZufallswert in $NichtNachvollziehbarerZufallszeit vorkam. Seit letztem Jahr enthält das Newslettermodul des Kulturkurier auch eine statistische Auswertung und eine grafische Anzeige der Abonnentenentwicklung. Apropos Abonnentenentwicklung: Aktuell sind ~1,3 Millionen Abonnenten angemeldet (bei einer vierstelligen Kunden-Zahl) mit konstant steigender Tendenz, und das obwohl das Medium Newsletter mittlerweile durchaus Konkurrenz durch neue Techniken wie RSS und soziale Netze bekommen hat.
Kulturkalender
Im Laufe der Zeit wurde der Kulturkurier dann durch konstante Weiterentwicklung vom reinen Newsletter-Dienst zum Kulturkalender. Veranstalter können ein eigenes Profil auf Kulturkurier.de pflegen und ihre Termine darüber verwalten. Diese werden nicht nur auf kulturkurier.de ausgespielt sondern auch über die Portale von angeschlossenen Medienpartnern. So kann der Veranstalter mit nur einem Eintrag eine Vielzahl von Plattformen bespielen und so sein Programm bewerben. Beispiele für solche Portale sind der Kulturkalender und Literaturkalender der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder der Kulturkalender von Brigitte Woman auf Medienseite oder von Dumont auf Verlagsseite.
Hierbei werden die Daten vom Kulturkurier entweder in einer Whitelabel-Lösung fertig ausgespielt oder für maximale Flexibilität als XML-Schnittstelle zur Verfügung gestellt. Der Veranstalter selbst kann seine Termine einfach über eine iFrame-Lösung oder ein Popup-Fenster als Webkalender auf die eigene Website übernehmen.
Smartphones
Neu ist seit diesem Jahr, dass die Kulturkurier-Profilseite und die Termine in einem für Mobilgeräte optimierten Format auf der eigenen Website der Veranstalter ausgespielt werden können. Hierzu reicht es, dass der Veranstalter auf seiner Website eine Zeile Javascript aufnimmt und jeder Besucher der mit einem Smartphone oder Handy die Veranstalterseite besucht, bekommt eine für sein Gerät optimierte Version. Technische Hinweise für die Umsetzung finden sich in unserem Blog unter: Jquerymobile-html5-mobile-Anwendungen
Der Kulturkurier umfasst momentan 16 unterschiedliche Veranstaltungs-Genres von Theater & Oper und Klassik & Konzert über Rock & Pop bis hin zu Theater. Literatur als übergeordnetes Themengebiet wurde von Anfang an im literaturkurier.de ausgegliedert bzw. als zusätzlicher Dienst etabliert. Das gilt auch für den Bereich Festivals mit dem festivalkurier.de, der auf eine Initiative bzw. den Wunsch von FocusOnline zurückging.
Social Media und web 2.0
Selbstverständlich wird das Informationssystem durch Blogs und Facebook unterstützt. Diese Kanäle nutzen wir für unsere Kunden aus dem Kulturbereich, um sie über neue Entwicklungsschritte zu informieren und um Neukunden dadurch eine Art Handbuch für Technik und Marketing in die Hand zu geben, damit sie von der ersten Sekunde an das System problemlos und effektiv einsetzen können.
Betrachtet man heute die Akzeptanz und die weiterhin steigende Verbreitung dieses Newsletter- und Kalender-Tools, so kann man sich gut vorstellen, dass wir in 10 Jahren eine weitere Erfolgsstory über den Kulturkurier schreiben werden.
Virales Marketing und App-Programmierung
An dieser Stelle einen besonders herzlichen Dank an DeutschlandRadio, die uns seit 2001 bis heute begleiten und uns medienseits immer wieder mit wichtigen Ideen füttern. So war es auch DeutschlandRadio zu verdanken, dass wir 2004 auf der IAA in Frankfurt (Internationale Automobil-Ausstellung) für (eine kleine) Furore sorgen konnten, als wir für Daimler Chrysler eine Applikation entwickeln durften, die es ermöglichte, aktuelle DeutschlandRadio-Nachrichten auf Handhelds automatisch zu überspielen. Damals experimentierte DaimlerChrysler mit dieser mobilen Version eines integrierten Navigations- und Informationsgerätes – lange bevor iPhones und Smartphones auf dem Markt waren. Wir können also sagen, dass wir beim Geburtsvorgang des viralen Marketings und der Smartphone-Apps dabei waren. DeutschlandRadio und DaimlerChrysler sei Dank.